Ausstellungsansicht "The Happy Fainting of  Painting", Zwinger Galerie, Berlin, 2012

The Happy Fainting of Painting
Zwischen Bild und Buch: Materialsammlung Malerei heute
Zusammengestellt von Hans-Jürgen Hafner & Gunter Reski

Zwinger Galerie   Mansteinstr.5   10783 Berlin
office@zwinger-galerie.de   030 2859 8907

Ausstellung 03.03 - 06.05.2012
Diskussion Samstag 31.03.12 / 17.00-19.00
(mit Sabeth Buchmann, Gerrit Gohlke, Dominik Sittig & Klaus Winichner)
Vortrag & Diskussion Freitag 04.05.12 / 19.00
(mit Susanne Leeb und Rolf-Gunter Dienst / Moderation Hans-Jürgen Hafner)

Inserts: Franz Ackermann, Monika Baer, Sven Beckstette, Barbara Buchmaier, John Chilver, HC Dany, Stephan Dillemuth, Helmut Draxler, Michael Dreyer, Peter Duka, Thomas Flor, Heike Föll, Markus Gutmann, Clemens Krümmel, Susanne Leeb, Olga Lewicka, Alexander Lieck, Frank Maier, Klaus Merkel, Ariane Müller, Christian Nagel, David Reed, Magnus Schäfer, Martin Schmidl, Rita Vitorelli, Marcus Weber

Bilder: Peter Böhnisch, Nicole Eisenman, Hermann Gabler, Joachim Grommek, Margarete Hahner, Richard Hawkins, Nadira Husain, Jürgen Kisch, Jochen Klein, Michael Krebber, Kiron Khosla, Michel Majerus, Bertold Mathes, Rebecca Morris, Anne Neukamp, Henrik Olesen, Silke Otto-Knapp, Ward Shelley, Wawrzyniec Tokarski, Klaus Winichner, Martin Wong, Katharina Wulff, Claudia Zweifel 

Ausstellungsbesprechungen:

Berliner Zeitung 13.03.12 / "Wie steht es um die Malerei" von Kito Nedo
vonhundert Nr.17 / Reviews von Birgit Effinger sowie Christoph Bannat
Tagesspiegel 21.04.12 / "Verpinselt" von Claudia Wahjudi

Ausstellungsansicht "The Happy Fainting of  Painting", Zwinger Galerie, Berlin, 2012
Ausstellungsansicht "The Happy Fainting of  Painting", Zwinger Galerie, Berlin, 2012
Insert von Susanne Leeb
Insert von Markus Gutmann
Insert von Marcus Weber

The Happy Fainting of Painting ist keine Malereiausstellung. Gleichwohl widmet sich die Schau aus praktischer und diskursiver Sicht den Fragen der Malerei heute. Als mögliche Lagebestimmung versucht die vielteilige Präsentation (aus Bild- und Textbeiträgen) die Probleme und Potenziale eines ‚Dispositivs Malerei’ aufzufinden und zu beschreiben.
Dieses Anliegen spiegelt sich dementsprechend in einer recherecheartigen Präsentationsform wieder. Die gute Nachricht ist, dass es die Malerei gibt. Wenn es heute – nach einem knappen Boom-Jahrzehnt des Kunstmarkts – aber wieder leicht zu fallen scheint, von der Malerei als der Königsdisziplin der Kunst zu sprechen, trübt das ihre Aussichten in jede Richtung. Vielleicht sind solche durch die Entwicklung der Kunst obsolet gewordenen Einschätzungen aber einer kunstbetrieblichen Situation geschuldet, die zu lange Preise mit Qualitäten verwechselt hat und anstelle einer ästhetischen Kriteriendiskussion lieber einer Logik des Sortiments folgt.

Nicht, dass es die Malerei in den 1980er und 1990er Jahren nicht bzw. nicht mehr gegeben hätte. Allein ihr Stand gerade in den progressiven Kunstdiskursen der Zeit war prekär, ja vielleicht unhaltbar geworden – mit durchaus ernsthaften Konsequenzen für eine Praxis der Malerei wie für deren adäquate kritische Diskussion. Anders gesagt, wurde ihr im Diskurs der Zeit bei laufender Produktion jede Relevanz als Kunst abgesprochen. Was Befreiungsschläge teilweise erst ermöglichte. Dieser ‚schwere Stand’ der Malerei damals wirkt bis heute nach. Jetzt, zwanzig Jahre später erscheinen aber auch Zuschreibungen wie ‚progressiv’ oder ‚kritisch’ zunehmend bedürftig, wohingegen ein Schlagwort wie ‚postcritical’ an Präsenz gewonnen hat.
So sehr sich die Malerei als Medium der Kunst wieder ins Recht gesetzt sieht oder sah – ihre Relevanz im ästhetischen Diskurs bleibt nicht nur deshalb prekär, sondern auch weil der Zustand eines kritisch-progressiven Diskurses selbst prekär geworden ist. In anderen Worten: es gibt keinen Malereidiskurs von Belang mehr, weil es ihn im traditionellen Sinne gar nicht mehr geben kann. Das Problem ist nicht auf die Malerei beschränkt, sondern betrifft den Stellenwert des Mediums generell. Diesen Zustand gilt es mit den Erfahrungen aus der spezifischen Geschichte, wie sie die Malerei auszeichnet, aber produktiv zu machen.
In einer Atmosphäre zwischen Infodisplay, Wandzeitung, Thinktank, Grabbeltisch und Studierzimmer geht es um Malerei genauso wie um den schweren Stand der ästhetisch-diskursiven Auseinandersetzung – nach einer Dekade eines marktdominierten Kunstbetriebs.

The Happy Fainting of Painting hat aber keine Lust mehr über Geld zu reden. Es geht vielmehr darum, blinde Flecken der Vergangenheit wie der Gegenwart der Malerei und ihrer Diskurse aufzuspüren, die Entwicklung neuer Fragestellungen und die Auflösung festgefahrener Deutungsraster voranzutreiben. Lieber falsche Fragen als immer wieder dieselben richtigen Antworten. Dem allgemeinen Vernehmen nach besteht Diskussionsbedarf.
Hier einige Stichworte: Historische Genres & Gegenwärtige Genealogien / Deskilling & Reskilling / Fehler gegen Können / Objekte & Bilder / das Bild als Objekt / Qualitäten des Malerischen in anderen Medien / Lebendige Akademismen & Wiederholte Tode.
Ein Anspruch auf flächendeckende Erörterung ist nicht gegeben. Die Präsentation basiert auf subjektiven Sichtweisen von künstlerischer wie theoretischer Seite, die immerhin aber ein gemeinsames Interesse an der produktiven Problematik speziell der Malerei verbindet. Die Ausstellung ist auch Vorbereitung und Teil eines geplanten umfangreichen Malerei-Readers, der 2013 erscheinen wird.

Eine wesentliche Komponente der Ausstellung stellen sogenannte Inserts in Postergröße dar. Diese Inserts werden von rund 20 für das Projekt eingeladenen KollegInnen aus verschiedenen Feldern des Kunstbetriebs bespielt und zu einer Art Pinbrett zusammengestellt. Die Inserts beschäftigen sich individuell beispielsweise mit Lieblingsmalern, aktuellen und vergessene Positionen der Malerei, zeichnen stilistische Stammbäume (à la Alfred H. Barr, Ad Reinhardt oder George Maciunas), Diagramme oder assoziative Bildzusammenstellungen wie man sie von Aby Warburg oder André Malraux kennt oder formulieren Statements zur Sachlage.
Zwischen Theorie und Praxis, Bild und Buch wird The Happy Fainting of Painting von einer Auswahl von Gemälden ergänzt, die für individuelle malerische Ansätze und Praktiken stehen. Die Bilder fungieren gleichzeitig auch als Anschauungsmaterial und sind unmittelbarer Reflexionsgegenstand eines Diskurses, den das Projekt (wieder) in Gang bringen möchte.   

  
Ausstellungsansicht "The Happy Fainting of  Painting", Zwinger Galerie, Berlin, 2012
Insert von Monika Baer

Anything but a proper painting show the exhibition The Happy Fainting of Painting is dedicated yet to practical and theoretical questions about painting today. A consciously diverse presentation (including picture and text contributions) is to be understood as an attempt to describe and clarify problems and potentials around ‚painting as dispositiv´. The multi-layered, research-like way of presentation (as happens in this exhibition) suggests to correspond with its matter.
Good news on one hand is maybe that painting is still there and alive. On the other – right after a decade-long boom of the art market – it appears maybe all too easy, to talk about painting again as the art medium par excellence. This turning back to painting actually doesn´t bring actual perspectives for painting any further. Possibly such again popular estimations / assessments are caused by current developments in the field of art. Still they are based more than anything else on economical settings, whereby too long prices have been mixed up with quality. Within a general perception of art ruled by the logics of market the exhibition offers instead a renewed interest in aesthetic discussions and targets possiblties for new criteria for contemporary painting (and art) discourse.

Its simply not true that painting hasn’t been away for all over the 90’s or that it is not any longer present since the 80’s. True is that its standing at least in the ‚progessive’ art discourse back then days was precarious, or even worse, actually seen as intolerable among the defining high-brow circles. This almost total lack of acceptance and interest had ongoing consequences for the practice of painting and its theoretical reflection. In other words, painting was done because of its absence from critical discourse and though that has lost completely any relevance and influence on significant dicourses until today. Although no serious position might consider painting as an obsolete medium nowadays, the situation became even more complex: Twenty yeas later the concepts of ´progession´and `critique´ themselves have become precarious or even neglectable and find themselves in opposition to a recent trend of the `post-critical´.

 As much as painting re-established and gained accepted since the late end of the 90’s, its relevance in the aesthetic discourse is still and even more so precarious because the whole framework for a critical and progessive discourse changed massivly and partly eroded. So the relation between practice and discourse is not any longer an exclusive problem of the medium of painting. It relates to the whole status of the concept of ‚medium’ in general (and therefore includes any other media as well). Yet it is the very history of painting and its specific condition as a medium and dispositv which allows to reflect its more or less some involuntary self-re- inventions / definitions. As a unique example the condition of painiting might be useful  for a discussion about the current state of artistic media and their theoretical reflection.
As an atmosphere between information displays, wallpaper, thinktank, rummage table and study room this exhibition deals with real painted images, an actual practice of painting and its position in the afore- mentioned aesthetic-discoursive debate – even worse so after a full decade in comtemporary art field more or less totally overruled by the art market.
The Happy Fainting of Painting prefers not to talk about money any longer. Its purpose is rather to look for and be aware the ‚blind spots’ in painting´s historical margins and today´s settings. Moreover its goal is to suggest new questions and promote ways of how to resolve deadlocked interpretation patterns. It seems there is an urgent need for such a discussion in the moment. Here some more related keywords: Historical Genres & Contemporary Genealogics / Skills versus Errors / Objects & Images / Painting as Object / Painterly Qualities in other Media / Living Academisms & Reenacted & Repeated Deaths of Painting.
 Of course all of this not meant to be a complete canvassing or investigation. The presentation is based on subjective approaches, including artistic and theoretical perspectives, whereby both sides are sharing common interests in such productive problems especially focused on painting. The show is part and preparation of a planned publication about contemporary painting, published in 2013.

One main visual part of the show will consist of so-called pinboard-like inserts (probably poster-sized). These inputs will be compiled and arranged by around twenty painter colleagues, art historians and critics. Here might be displayed for example something like imagery of favourite painters, short statements, forgotten positions, stylistic pedigrees (like Alfred H. Barr, Ad Reinhardt or George Maciunas did), diagrams or associative image clusters (maybe like those ones Aby Warburg and André Malraux provided).


Between theory and practice, image and planned publication this show will be supported by around twenty real paintings as well, which reperesent individual painterly approaches and practices in significant contemporary ways. These pictures are functioning simultanously as visual illustrative material. They might be used as point of reflection among a discussion, which hopefully will get inspired and initiated by this project.