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Die Zukunft der SPD


Zwinger Galerie, Berlin
13.12.10 - 22.02.20
Kuratiert von Hans-Jürgen Hafner und Gunter Reski
Ausstellungsdauer: 14. Dezember 2019 bis 22. Februar 2020


Künstler*innen: Nadja Abt, Norbert Bisky, Henning Bohl, Lutz Braun, Constant Dullaart, Anke Dyes, Julia Eichler, Claus Föttinger, Michael Franz & Franziska Ipfelkofer, Manuel Graf, Natascha Sadr Haghighian, Dale Holmes, Philipp Höning, Helmut & Johanna Kandl, Korpys / Löffler, Claudia Kugler, Stephan Machac, Michaela Meise, Anna Meyer, Stefan Panhans, Manfred Pernice, Peter Piller, Christian Rothmaler, SUSI POP, Heidi Specker, Wawrzyniec Tokarski, Suse Weber, Alex Wissel, Ina Wudtke, Steffen Zillig.


„Die Zukunft der SPD” möchte die Frage nach der Zukunft stellen, indem es – ganz und gar unironisch – behauptet, dass die SPD eine Zukunft habe. Dabei weiß das von Hans-Jürgen Hafner und Gunter Reski initiierte Projekt nicht einmal von sich selbst so genau von welcher Sorte es ist: eine thematische und/oder kommerzielle Ausstellung, ein längst überflüssiger oder dringend zu startender Diskurs, ein Politikberatungsseminar von und für Künstler*innen, die Outlines einer Utopie, ideelle Selbstausbeutung oder ein Marketing Stunt für ein nicht vorhandenes Produkt. Die am Projekt Beteiligten sind der Einladung gefolgt, Stellung zu einer Hypothese zu beziehen.

Die Idee zu dem Projekt, die vermessene Vorstellung sich ihr im Format einer Ausstellung zu nähern und vor allem sein Titel sind über ein Jahr alt. Damals bereits war die Krise der SPD unübersehbar und dennoch war es nicht abzusehen, dass sie zielsicher auf ihren Absturz von der Volks- zur Nostalgiepartei zusteuern würde. Dieser Absturz blieb bisher ungebremst in der paradoxen Wechselwirkung aus Wahlschlappen und Mitgliederzuwachs, realpolitisch ‚realen’ Errungenschaften und unausgesetztem programmatischem Schlingerkurs inklusive. 

Warum wir uns ausgerechnet auf die SPD fokussiert haben – und nicht die Unionsparteien CDU und CSU und die unübersehbare Krise des Konservatismus oder die Frage, was denn nun „Links“ und eine entsprechend politisch herzustellende Perspektive sei –, hat wohl auch mit Nostalgie zu tun. Doch sollte man bei aller Suggestivität den Titel nicht zu wörtlich nehmen. Weit mehr als die traurige Genoss*innenpartei aus Deutschland mit notorischer Führungsschwäche interessiert uns ‚Sozialdemokratie’ als durchaus achtenswertes ‚Konzept’ und in historischem Sinne als ‚Errungenschaft’ – und deshalb umso mehr nicht ohne der zweifachen, nämlich pragmatischen und operativen Verankerung der Sozialdemokratie in der Realpolitik und im Parlamentarismus als Denke und Werkzeug eines linken Realismus. Dieser linke Realismus hat zur Schaffung von Verhältnissen beigetragen, an denen uns – umso mehr im Rückblick und mit einem Schwenk auf die Entwicklungen seit der Abfolge großer Koalitionen und der Rolle, die die Koalitionspartner dabei spiel(t)en – auch weiterhin liegen könnte: von der Gleichstellung der Geschlechter über die Bildungspolitik bis hin zum Mindestlohn lassen sich Beispiele finden. Dass es zu jedem Beispiel ein Gegenbeispiel gibt, speziell die unseligen Hartz IV-Gesetze im Rahmen der Agenda 2010, geschenkt. 

Zurzeit wissen wir: die Zukunftsoptionen, die sich uns bieten, werden nicht mehr, sie werden weniger. Die Optionen werden faktisch, aufgrund ökologischer und sozialer Überausbeutung vorformatiert, weswegen man zurecht behaupten könnte: so braucht es nicht weiterzugehen, sonst geht es – schlicht – nicht weiter.

Warum ausgerechnet der Parlamentarismus, die politischen und kulturellen Institutionen, mithin das Modell der Repräsentation unattraktiv erscheinen gegenüber in der Regel eher einzelproblemorientierten Aktivismus, selbstvermarktender Symbolpolitik und digitalindustriell normiertem Aktionismus ist eines der operativen Probleme, die uns – mit Blick nicht auf die Zukunft der SPD sondern vor allem ‚unserer’, in der Regel gemeinsam zu erlebender Gegenwart – interessiert. Auch interessiert uns das Verhältnis zwischen ‚uns’ und dem was ‚Staat’ heißt bzw. eine gesellschaftliche Organisationsform ist als, vor allem, im Ökonomischen wirksames Regulativ gegenüber einer Wirtschaft, die – nehmen wir vor allem Finanz- und Digitalindustrie – längst auf supranationaler Ebene ihrerseits Staatsähnlichkeit angenommen hat und eifrig am Sortieren ist, wer auf immer reich und wer genauso ewig subaltern sein wird.

Hans-Jürgen Hafner


Reviews:

Süddeutsche, 20.12.19 / Ingo Arend

http://www.artmagazine.cc / Raimar Stange

Taz, 30.12.19 / Jan Bykowski

Monopol, 02.01.20 / Sarah Khan

Taz, 08.01.20 / Kito Nedo

Freitag, 09.01.20 / Martin Conrads

Frankfurter Allgemeine am Sonntag, 19.01.20 / Kolja Reichert


FAZ, 08.02.20 / Georg Imdahl




"Die Zukunft der SPD" (Ausstellungsansicht)
"Die Zukunft der SPD" (Ausstellungsansicht - Manfred Pernice)
Natascha Sadr Haghighian
Lutz Braun
"Die Zukunft der SPD" (Ausstellungsansicht)
Heidi Specker
Claus Föttinger
"Die Zukunft der SPD" (Ausstellungsansicht - Herbert & Johanna Kandl / Norbert Bisky)
Korpys / Löffler
Nadja Abt
"Die Zukunft der SPD" (Ausstellungsansicht)
"Die Zukunft der SPD" (Ausstellungsansicht)
Anna Meyer
"Die Zukunft der SPD" (Ausstellungsansicht)
Stefan Zillig & Chrisian Rothmaler (Detail)
"Die Zukunft der SPD" (Ausstellungsansicht)
Anke Dyes
Herbert & Johanna Kandl
Julia Eichler
"Die Zukunft der SPD" (Ausstellungsansicht - Ina Wudtke / Julia Eichler / Wawa Tokarski)